Vom Studio ins Stadion: Neumann U 67 Mikrofone auf Tour mit den Foo Fighters

FOH-Engineer Antony King bringt sechs Neumann U 67 Röhrenmikrofone aus dem Studio auf die Stadionbühne der Foo Fighters.

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Berlin, November 2026 – Ein volles Stadion, drei Gitarristen und eine Backline, die auf Lautstärke ausgelegt ist. Vor den Gitarrenboxen auf der Bühne der Foo Fighters sind sechs Mikrofone montiert, die man normalerweise im gut geschützten Mikrofonschrank eines Studios vermuten würde: das Neumann U 67 Röhrenmikrofon. 1960 als Nachfolger des U 47 vorgestellt, wurde das U 67 dafür entwickelt, Nahmikrofonierung und hohe Schalldruckpegel (SPL) mühelos zu bewältigen, dank seiner ausgefeilten Röhrenschaltung . Es ist das Mikrofon, das den Sound der 1960er-Jahre maßgeblich geprägt hat.

Der Mann hinter diesem mutigen Schritt ist Antony King, FOH-Engineer der Foo Fighters. Antony begann seine Laufbahn bei Britannia Row Productions in London und hat über ein Jahrzehnt lang Depeche Mode gemischt, außerdem Nine Inch Nails, The Cure und Noel Gallagher’s High Flying Birds. Mit den Foo Fighters arbeitete er erstmals während der Pandemie als Mischer für die Livestreams, seit den Tribute-Konzerten für Taylor Hawkins ist er fester Teil der Live-Crew auf Tour.

„Das war schon lange ein Traum von mir“, sagt Antony. „Die Foo Fighters sind eine der großartigsten Rockbands überhaupt. Warum verwende ich nicht eines der großartigsten Mikrofone, die je gebaut wurden?“

Die Idee ließ ihn jahrelang nicht los. „Ich habe das immer wieder durchgespielt: Geht das überhaupt? Bin ich verrückt? Ist das wirklich eine gute Idee?“ Den entscheidenden Anstoß gab schließlich ein Gespräch mit dem Neumann-Team, das ihm einige MCM 114 Miniatur-Clip-Mikrofone zum Testen mitgebracht hatte. „Ich sagte, ich brauche Neumann mit im Boot, damit wir gemeinsam herausfinden, wie wir das umsetzen können.“

Wie also bringt man ein handgefertigtes Röhrenmikrofon Abend für Abend auf eine Stadionbühne, ohne die Crew auszubremsen oder ein zu hohes Risiko einzugehen?

Jede Nuance zählt

Was ein U 67 für den Sound der Band leisten kann, hörte Antony erstmals vor einigen Jahren im Studio 606, dem bandeigenen Aufnahmestudio der Foo Fighters, in dem heute das legendäre Neve-Pult aus den Sound City Studios steht. Bei einer Session dort wurde ein altes U 67 vor einer Gitarrenbox aufgestellt. „Plötzlich dachten wir alle nur, wow, das klingt großartig.“

„Die Jungs aus der Band haben ewig an ihren Sounds gefeilt“, erklärt Antony. „Chris hat eine Million verschiedener Effektpedale, und jeder Song hat einen coolen Sound. Das wollte ich perfekt einfangen. Ich wollte ein wirklich transparentes Mikrofon.“

Genauso wichtig ist die Spielweise der Band. „Dave dreht seinen Volume-Regler hoch und runter und spielt manchmal richtig leise“, beobachtet Antony. „Mit dem U 67 kann man jede Nuance einfangen, die aus seinen Gitarren-Amps kommt.“

Überstehende Stadiondächer sind darauf ausgelegt, den Lärm der Fans zurück aufs Spielfeld zu reflektieren, und mit jedem Meter geht Klarheit verloren. „Bis der Sound hinten im Stadion ankommt, ist es, als würdest du ihn durch einen Windkanal jagen“, erklärt Antony. Die Lösung liegt für ihn ganz am Anfang der Signalkette: „Wenn du mit einer wirklich sauberen und transparenten Quelle startest, hast du auch ganz hinten noch einen klaren Sound.“

Schneller Auf- und Abbau

Doch der Sound war nur eine Seite der Herausforderung. Zu jedem U 67 an einer Gitarrenbox gehören nicht nur das Mikrofon, sondern auch die Spinne, die Klemmhalterung am Amp und das Netzteil. Dieses Gesamtpaket ordentlich zu verpacken, erfordert Zeit und Sorgfalt. „Das sind mindestens zehn Minuten pro Mikrofon, und davon habe ich sechs Stück“, erinnert sich Antony. „Ich kann den Abbau nicht um eine Stunde verlängern. Ich will nicht, dass meine Crew wegen meiner verrückten Idee eine Stunde weniger schläft.“

Sein erster Plan sah vor, die Netzteile seitlich der Bühne zu platzieren und die Mikrofone über ein einziges Multicore anzuschließen. Doch schon das erste Gespräch mit den Neumann-Ingenieuren zeigte, dass das nicht funktioniert kann. Das UC 5 Kabel führt neben dem Audiosignal auch die Versorgungsspannungen der Röhre, seine Länge ist daher Bestandteil des Mikrofondesigns. „Länger machen kann man das Kabel eigentlich nicht.“

Stattdessen wanderten die Netzteile in die Bühnenmitte. Antony montierte sie gemeinsam in Rackcases, in denen Netzstrom und Verkabelung fest verlegt sind, und ein vorkonfektionierter Kabelstrang führt in exakt passenden Längen zu den Boxen. Nach der Show wird jedes U 67 samt elastischer Aufhängung in einem Stück von der Box genommen und direkt in einen Pelican-Koffer mit passgenauen Schaumstoffzuschnitten gelegt. Die einzige feste Regel: Die Netzteile werden immer zuerst vom Strom getrennt, denn ein Röhrenmikrofon unter Spannung abzuziehen, schadet der Röhre. Erst danach zieht die Bühnencrew die Mikrofonkabel ab.

Keine Sonderbehandlung

Antony bat um Sorgfalt, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. „Ich habe der Bühnencrew gesagt, lasst die bloß nicht fallen. Seid einfach ein bisschen vorsichtig. Aber ich wollte trotzdem, dass sie wie alle anderen Mikrofone auf der Bühne behandelt werden. Ich wollte keine Mikrofone, die man wie rohe Eier behandeln muss.“

Eine Unwägbarkeit der Tour war das Wetter. Die Bühnen sind zwar überdacht, doch bei schlechtem Wetter weht immer etwas Regen herein. Auf Empfehlung von Neumann ergänzte das Team einen Windschutz als erste Verteidigungslinie, und dynamische Mikrofone blieben als Backup daneben aufgebaut. Nach acht Monaten mit Gewittern und Hitzewellen warten die Backups noch immer auf den ersten Ausfall. „In sieben, acht Monaten haben wir es nicht geschafft, auch nur eins kaputtzukriegen.“

Ein Mikrofon, das seit 1960 Tag für Tag in Studios auf- und abgebaut wird, war nie so empfindlich, wie sein Ruf vermuten lässt, so Antonys Überzeugung. „Ich bin mir sicher, dass irgendein Praktikant im Studio schon mal eins hat fallen lassen, ‘Hoppla’ gesagt hat, es zurück in den Koffer gelegt hat, und alles war gut. Also dachte ich mir: Das hält das aus.“ Die Tour-Mikrofone stammen aus der aktuellen Produktion und werden in Deutschland nach den Originalspezifikationen handgefertigt.

Das MCM 114 überrascht

Beim MCM 114 Miniature Clip Mic System war die Vorfreude von Antony etwas gedämpft. „Ich dachte nur, ach so, noch ein Tom-Mikrofon. Ehrlich gesagt war ich nicht besonders begeistert“, gibt er zu. Als Dave Grohl im Januar 2025 für das Reunion-Set von Nirvana bei FireAid ans Schlagzeug zurückkehrte, klemmte Antony bei den Proben ein Set an die Toms und wandte sich anderen Dingen zu.

Das Urteil kam von jemand anderem. „Als ich zurück in die Regie kam, meinte unser Monitor-Engineer: ‘Was ist das? Was hast du geändert? Das gefällt mir richtig gut’.“

Bevor er dem MCM 114 System auf Tour vertraute, unterzog Antony es einem eigenen Härtetest. „Ich habe mir einen Drumstick geschnappt und vier-, fünfmal so fest draufgehauen, wie ich konnte. Dann haben wir wieder reingehört. Ich schätze, es hat bestanden.“ Ebenso überzeugend war die Übersprechdämpfung des MCM-Systems: „Viele vergessen: Ein Tom-Mikro kann noch so gut klingen, wenn es die ganzen Becken mit aufnimmt, nützt es mir wenig.“

Die Reise geht weiter

Für Antony sind die U 67 erst der Anfang. Auf seiner Wunschliste stehen bereits U 47 für die Overheads, ein TLM 102/103 oder sogar ein M 147 Tube an der Snare. „Warum sollten wir nicht immer weiter versuchen, uns zu verbessern? Warum nicht experimentieren? Manches funktioniert, manches nicht.“

Sein Rat an Kolleginnen und Kollegen ist ebenso direkt: „Wenn jemand auch über solche Einsätze nachdenkt: Einfach machen! Es ist wirklich nicht so wild, wie es zuerst scheint.“ Acht Monate nach Tourstart sind die U 67 fester Bestandteil der täglichen Routine, mit einem entscheidenden Unterschied. „Sie werden einfach wie ganz normale Mikros behandelt“, sagt Antony. „Nur dass sie sensationell gut klingen.“

 


Über Neumann

Neumann wurde 1928 gegründet und ist ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich der professionellen Audiotechnik, das seit fast einem Jahrhundert Maßstäbe für Klang in Referenzqualität setzt. Bekannt für ikonische Produkte wie die legendären Mikrofone U 47, M 49, U 67 und U 87, verbindet Neumann jahrzehntelange Innovation mit deutscher Ingenieurskunst und genießt das Vertrauen von Aufnahmestudios, Rundfunkanstalten und Kreativen weltweit. Seit 1991 gehört Neumann zur Sennheiser-Gruppe. Im Laufe der Jahre hat das Unternehmen sein Portfolio erweitert – zunächst durch die Einbindung der renommierten Studio-Monitor-Kompetenz von Klein + Hummel und zuletzt durch die Integration von Merging Technologies in Neumann. Heute bietet Neumann ein umfassendes Ökosystem branchenführender Audiolösungen, das Mikrofone, Audio-Interfaces, Kopfhörer, Studiomonitore, immersive Audiotechnologien und digitale Audiolösungen umfasst und die gesamte Signalkette von der Tonaufnahme bis zur Wiedergabe abdeckt. www.neumann.com

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